“Ich bin ganz im Reinen”: Was Wim Wenders von Edward Hopper gelernt hat

Besondere Kunst in einem besonderen Gebäude in einer ungewöhnlichen Umgebung: Nicht umsonst zeigt Wim Wenders seinen Kurzfilm „Two Or Three Things I Know About Edward Hopper“ in der Bastian Galerie in Dahlem. Der Regisseur „Himmel über Berlin“ kann hier sein poetisches Werk besonders gekonnt in Szene setzen.

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Der Künstler ist anwesend: Wim Wenders in der Bastian Gallery bei seinem Kurzfilm „Zwei oder drei Dinge, die ich über Edward Hopper weiß“

(Foto: S. Oelmann)

Der Film hätte ruhig länger sein können, es ist so erstaunlich, wenn die Visuals von Wim Wenders laufen lernen. Der Tankwart, das Paar im Auto, die jungen Leute auf der Veranda, im Hotel, die Landschaften – alles ist so, wie Edward Hopper es gemalt haben könnte. Die Fotografien, die für sich sprechen und ungemein lebendig sind, obwohl sie eher langweilige Alltagsszenen zeigen, ziehen den Betrachter in ihren Bann. Umso mehr, wenn die Bilder dann im Film zu kurzen, wortlosen Geschichten werden. Man folgt den Protagonisten meditativ, versteht sie, mag sie, mag sie nicht, ist aber meist einfach nur fasziniert davon, wie sie in die 3D-Umgebung eintreten oder wieder verschwinden. Wie Geister, die nicht gerufen wurden.

Das Licht, das Filmcharaktere verherrlicht

Dieses „Two Or Three Things I Know About Edward Hopper“, also diese zwei oder drei Dinge, die Wim Wenders von diesem großen Künstler lernen konnte, könnte ein Zufall sein, diese Ruhe, diese Normalität, die zu Postkartenmotiven wurde und der Feder entspringt eines der besten, beliebtesten und teuersten Künstler der jüngeren Vergangenheit.

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Das Licht und die Lichtlosigkeit – in Wenders Film sehen wir die Bilder von Edward Hopper in imaginären Gedanken nacherzählt.

(Foto: Brandmeister, Wim Wenders, 2019)

Doch das Wort Poesie ist Wenders besonders wichtig, wie er in einem Interview verrät, und: „Es ist das Licht, das mich an Hopper am meisten fasziniert und prägt. Ich habe „Fire Chief“ in diesem Zwielicht aufgenommen, in dem die Schatten immer sind.“ immer länger. . Es ist das Licht, das Kinofiguren verherrlicht.“ Der Filmemacher glaubt, dass 3D ein sehr poetisches Medium ist, das eine große Kraft hat, Zuschauer anzuziehen, weil es gezeigt hat, dass es ganz andere Gehirnregionen einbezieht als das Sehen in 2D.

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„Two or Three Things I Know about Edward Hopper“ wurde 2020 anlässlich der Hopper-Retrospektive in der Fondation Beyeler 2020 in Basel gezeigt und ist eine Hommage an einen der bedeutendsten amerikanischen Maler des 20. Jahrhunderts.

(Foto: Treffen auf der Veranda, Wim Wenders 2019)

Wenders sieht das 3D-Bild als solches eine Affinität zur Poesie, die als Phänomen hingegen weitgehend unbekannt blieb. „3D kommt eigentlich nur in sensationellen Filmen zum Einsatz“, bedauert der 77-Jährige, betont aber die durchaus poetische Natur von James Camerons neustem 3D-Werk „Avatar“. „Sonst hätte Cameron die Qualität seiner Filme nicht erreichen können“, ist sich Wenders sicher, „er hat einen tollen Job gemacht.“

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Das eigentliche Geheimnis von 3D wird jedoch von der Filmindustrie nicht erkannt und ist mittlerweile fast verkümmert, glaubt Wenders. Er kennt sich aus, hat in den letzten Jahren mehrfach in 3D gedreht – Kurz- und Langfilme –, weiß er viel über die Technik dahinter und wie diese Filme geschnitten werden: „Das braucht mehr Zeit.“ Mit der Zeit kann sich die Umgebung, die der Filmemacher so sehr liebt, wirklich entwickeln.

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3D – mehr als “Action”

Warum also dieser Kurzfilm im Stil von Wim Wenders Hopper? Vor einem Gemälde, insbesondere einem Trichter, zu stehen, ist nur ein zweidimensionales Erlebnis, und auch Fotografie und Film erreichen nicht die Tiefe, die der Regisseur will. Die Fähigkeit, sich in ein Gemälde hineinziehen zu können, sei zwar vorhanden, aber nicht mit der Wirkung von 3D zu vergleichen, betont er in der Bastian-Galerie in Berlin-Dahlem.

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Wenders’ fotografisches Werk wird weltweit in Museen ausgestellt und publiziert. Er schrieb viele Essays über die Bedeutung des Kinos. Auch seine Film- und Fotobücher erregen internationale Aufmerksamkeit.

(Foto: S. Oelmann)

„Ich denke, 3D ist das Medium, das mich dem am nächsten bringt, was ich aus einem Bild herausholen möchte.“ Wenders fragt immer wieder, wie 3D so diskreditiert werden konnte, diskreditiert als „Kindersprache oder gar Handlungssprache“. Völlig zu Unrecht, wie Wenders’ Film beweist, denn 3D kann auch ganz anders sein. Seine Hoffnung ist, dass 3D in der Kunst, in Museen und Galerien mehr Anwendung finden wird, auch wenn es dem Kino nicht so gut geht.

Zurück zu Edward Hopper: Als Maler, der als Werbegrafiker anfing, als Designer, beherrschte er natürlich eine gewisse Bildsprache, die aber zunächst wenig mit Kunst zu tun hatte. Die Zuversicht, sein Leben als Maler endgültig zu gestalten, kam erst zu einer Zeit, als es fast das Letzte war, wie Hopper zu malen: „Lens“ – das war überhaupt nicht „modisch“. Niemand habe ihn angeschrien, erinnert sich Wenders, “er war zu seiner Zeit völlig anachronistisch”.

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Für Edward Hopper waren die von ihm gemalten Bilder „die Reproduktion der ihn umgebenden Welt, auch der Welt, die er in sich selbst sah“.

(Foto: IMAGO/NurPhoto)

Hoppers „Erlösung“ war ein begeisterter Kinogänger. Als ihn die „Kunstsperre“ erwischte und er nicht mehr wusste, was er malen sollte, ging er lange jeden Tag ins Kino. „Es müssen ungefähr 1.000 Filme gewesen sein, er hat sich alles angesehen, was das Kiezkino gezeigt hat“, sagte Wenders voller Bewunderung und kaum überrascht. Vom europäischen Kunstfilm bis zum amerikanischen Mainstream hat Hopper alles gesehen – und das spiegelt sich natürlich auch in seinen Werken wider. „In den Tagebüchern seiner Frau kann man nachlesen, wie oft Hopper ins Kino gegangen ist und was er gesehen hat“, sagt Wenders. So entstand das berühmte Bild „Nighthawks“.

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Wenders ist einer der wichtigsten innovativen Gestalter des zeitgenössischen Kinos. Seine ikonischen Spielfilme wie „Paris Texas“ oder „Der Himmel über Berlin“ wurden international ausgezeichnet.

(Foto: imago-images/Pixsell)

Im Gegenteil, es wird auch zum Schuh: „Wie viele Filmemacher wurden von Edward Hopper beeinflusst?“ fragt Wim Wenders, der sich definitiv zu ihnen zählt. Ihm geht es um die erzählerische Haltung, es sind nur Bilder, die eine Geschichte haben und nicht nur eine Momentaufnahme. Sie können deutlich sehen, dass gerade etwas passiert ist und etwas anderes passieren wird. Eine sehr seltene Eigenschaft zeitgenössischer Kunst, dass man Geschichte und Geschichten sieht, resümiert Wenders.

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Die Einsamkeit des Menschen

Was Wenders an „Nighthawks“ am meisten fasziniert, ist das Story-Element, die Darstellung menschlicher Einsamkeit. Und was dabei herausgekommen ist: Nämlich, dass das Kino Edward Hopper viel gegeben hat, dass Hopper dem Kino aber auch viel zurückgegeben hat. Zwischen Hopper, Kino und Malerei besteht eine interessante Wechselbeziehung: „Ich habe Hopper viel zu verdanken. Ich bin unzählige Male zu diesem Maler gepilgert, ins Whitney Museum oder ins MoMa. Aber um ihm wirklich gerecht zu werden, musste ich drehen.“ diesen Kurzfilm-Essay.”

Und damit zurück zum Anfang: Der Film hätte länger sein können. Für Wim Wenders ist er aber genau richtig, er hat sich von Anfang an vorgenommen, dass dieser Film nicht für sich alleine stehen soll, sondern Lust auf den Künstler machen soll. „Und diese Begeisterung für Hoppers Arbeit sollte keine Stunde anhalten“, lacht er. “Mir geht es gut.”

Anlässlich der Filmpräsentation produzierte Wim Wenders drei neue Fotografien, die in seiner dritten Einzelausstellung in der Galerie Bastian vom 25. Januar bis 4. März 2023 zu sehen sein werden.

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