“2001” von Tokio Hotel – laut.de – Album





laut. der Kritik

Die ehemaligen Stars werden schließlich zu einem Dance-Pop-Projekt in den Schatten gestellt.

Rezension von Rinko Heidrich

Dann wird alles gut“, sang Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz am Ende von „Durch den Monsun„Ob man den Song mag oder nicht, er ist einer der größten Hits der Neunziger, und das nicht nur in Deutschland. Zwanzig Jahre nach dem großen Hype blicken die Menschen wohlwollender auf das einst so große Hassobjekt. Ersterer Spott entlarvte in seiner stumpfen Homophobie viel mehr die Hasser als die unschuldige Teenagerbande.

Seitdem verlief die Metamorphose der Bravo-Sensation zu einer erwachsenen Popgruppe – abgesehen von den Boulevardberichten über die Kaulitz-Zwillinge – weniger spektakulär, was logischerweise auch die Zahl der Neider verringerte. Sie waren fast vergessen, als Tokio Hotel wieder auf der Bildfläche auftauchte. Einmal durch das Tanzprojekt Vize und als Gäste auf der „Kraftklub“-Single „4×4“. Beides nicht gerade Knaller, aber eine kleine Rehabilitierung in der deutschen Musiklandschaft.

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Dann wird alles gut” klang damals eher nach Skepsis, scheint sich aber zwanzig Jahre später zu bewahrheiten. Vielleicht ein Grund, warum die Zeile in der neuen 2022-Version von “Durch den Monsun„Das Album öffnet sich. Kaum Gitarren und eine Mischung aus gängigen Chart-Sounds und Deep-House-Beachparty – schlechter als der aktuelle Radio-Pop-Standard geht es kaum.

Alben wie „Humanoid“ versuchten sich zumindest zwischen Emo-Pop und Indie-Rock zu bewegen. Sie müssen die Alben dieser Band nicht in einem Anfall von sanftem Alter durchgehen, aber zumindest hatten sie Unabhängigkeit. Allein das gelungene Malle-Artwork aus „2001“ ist so sorglos gezeichnet, dass selbst ein leiser Hauch von Selbstironie alles rettet.

Notlügen“, die Hitsingle mit dem verdummten Tanzprojekt Vize, folgt dem gleichen kommerziellen Muster und bildet die Blaupause für das gesamte Album: eine substanzlose, harmlose Lieferung für Gelegenheitshörer und Provinzdiskotheken, kaum zu unterscheiden von Gestört Aber Geil oder Robin Schulz. Einfach so. Von Musik, die wohl auch ihre Hasser feiert. Tontechnisch stellen Tokio Hotel endlich ein Dance-Pop-Projekt unter vielen in den Schatten und empfehlen sich zur Beschallung in Fitnessclubs. Und wir reden hier von einer Gruppe, die mal war unter den Gewinnern der MTV Awards 2008 zusammen mit Linkin Park und Britney Spears.

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Was bleibt, sind die traurigen Nachrichten dieser Zeit von Bill, der mit Mitte Dreißig immer noch auf der Suche nach der Liebe ist. Sein melancholischer Gesang in „Hassliebe“, “Es ist nicht glücklich“ ist zumindest ein Kontrast zum substanzlosen Strandparty-Gerede. Das einstige Teenie-Idol hat die Traurigkeit hinter der Fassade bereits im Buch „Career Suicide“ offenbart. Dort beschrieb er das Aufgeben des großen Traums, den Druck der Plattenfirma. immer mehr Arbeit und Brennen in einer absolut rücksichtslosen Musikindustrie. Wahrscheinlich ist die wahre Intention von „2001“, endlich für immer in der Masse zu verschwinden. Am Ende steht ein Zitat aus dem gleichnamigen Kubrick-Film: “.Das Gespräch hat keinen Zweck mehr; es führt zu nichts. Auf Wiedersehen!

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Titelliste

  1. 1. Durch den Monsun
  2. 2. ER
  3. 3. Notlügen
  4. 4. Es ist nicht glücklich
  5. 5. Just A Moment feat. Wow
  6. 6. Verkatert dich
  7. 7. Riecht nach Sommer
  8. 8 Glückliche Menschen feat. Papa Freyer
  9. 9. Hier kommt die Nacht
  10. 10 ein Träumer
  11. 11. weglaufen
  12. 12. Als wir jünger waren
  13. 13. Hassliebe
  14. 14 ein anderer Liebhaber
  15. fünfzehn Berlin feat. Wow
  16. 16 Zurück zum Ozean

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